Zielearbeit und ägyptische Tradition
Roman Steiner – Skarab Therapie und Coaching

Roman Steiner

Veröffentlicht: 5 Mai, 2021

Die Pyramiden und Kolossstatuen des alten Ägypten beeindrucken uns bis heute durch die Kühnheit ihrer Vision und die Perfektion ihrer Umsetzung.

Was inspirierte die Menschen der damaligen Zeit, was gab ihnen den Mut und das Durchhaltevermögen für solche Projekte, die bis in unsere Zeit hinein wirken und an diese Hochkultuer erinnern?
Hinweise darauf gibt die Praxis des ägyptischen Yoga, das aus den frühesten Zeiten der ägyptischen Kultur stammt und in vielen Teilen der Welt heute wieder als eine lebendige Tradition gepflegt wird.

Im Zentrum dieser Praxis stehen Haltungen, die identisch sind mit Darstellungen der altägyptischen Kunst, die wir heute noch in Freskenmalereien der Altägyptischen Tempel bewundern können.

Ein Grundmotiv ist die „KA-Haltung“, die darin besteht, beide Füße auf dem Boden haben, die Hände erhoben zum Himmel, entsprechend dem Satz im Papyrus Berlin 1038: „ Füße auf der Erde, Kopf ist im Himmel“.

Der „Kopf im Himmel“ meint die Inspiration, die von außen kommt, also nicht nur aus dem jeweiligen Menschen heraus, sondern aus dem Lauschen auf seine Bestimmung entsteht.

„Füße auf der Erde“ meint die Umsetzung dieser Inspiration, die konkrete Entfaltung unseres Auftrags durch Entscheidungen und Maßnahmen im Hier und Jetzt.

Wie im alten China, wo die Vorstellung von „Ming“, dem himmlischen Lebensauftrag herrschte, der sich nicht von alleine entfaltet, sondern gefunden und verwirklicht werden muss, wird hier von der Möglichkeit, ja Notwendigkeit ausgegangen, die Aufgabe, den Auftrag unseres Lebens zu erkennen und Schritte für Schritt umzusetzen.

Diese Umsetzung geschieht anhand unserer täglichen Entscheidungen bezüglich Beschäftigung, Arbeit, Wohnsitz und Umgebung.

Sicherlich hängt sie ganz wesentlich mit unseren Leidenschaften und Begabungen zusammen, darf jedoch nicht als ein Freibrief verstanden werden, einfach nur das zu machen, worauf wir gerade Lust haben.

Viel mehr entfaltet sich dieser Auftrag erst im Laufe eines Lebens in Zusammenhang mit dem, was uns von außen begegnet, im Sinne der Aussage des Philosophen Martin Bubers, „Schicksal und Freiheit umfangen einander zum Sinn“.

Darin besteht das „Lauschen“: herauszufinden, was ich will, und meine Lebensaufgabe im Hinblick auf das Außen, auf meine Lebensumstände, herauszulesen.

Spätestens ab der Lebensmitte sollte diese Erforschung beginnen, um eines erfüllten Lebens willen.

Interessant ist hier noch mal die Bedeutung von „KA“, der oben beschriebenen Haltung.

Denn „KA“ ist gleichzeitig das Konzept der Lebenskraft.
Die Implikation ist, dass wenn ich meine Lebensaufgabe „erlausche“ und beginne, sie umzusetzen, die dafür erforderliche Kraft daraus erwächst, ganz gleich wie groß oder fordernd die Aufgabe sein mag.
An dieser Stelle bekommt dieses uralte Konzept eine zusätzliche Relevanz für unseren Alltag, wo so viele Menschen sich müde und abgeschlagen, unzufrieden und latent krank fühlen:
Erst indem ich mein Leben in den Dienst (m)einer Aufgabe stelle, erlange ich die Energie und Kraft und die damit verbundene Zufriedenheit und Erfüllung, die ich ersehne.

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